Langendamm – das stille Dorf

Viele Besucher sind oft beeindruckt von der idealen Lage Langendamms. Fernab der großen Verkehrsstraßen verbinden Landstraßen und –Wege, buckliges Steinpflaster aus alten Zeiten und neu angelegte Radwege die 6 km entfernte Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten mit dem Ortsteil Langendamm. Da Langendamm kaum von Verkehrsanbindungen berührt wird, liegen
Einsamkeit und Stille über dem Ort. Langgestreckte Reihen reetgedeckter Häuser führen am nahen Boddenufer und am Waldrand vorbei. Im Schrifttum kaum erwähnt, weitab vom großen Zeitgeschehen ringsum, schien hier die Welt schon immer stillzustehen. Auf dem gegenüberliegenden Fischland hatte man im 19. Jahrhundert eine große Segelflotte, und dort blühte der Fremdenverkehr. In Ribnitz und Damgarten, den nahen Kleinstädten, bauten damals vier Werften Großsegler. Eine heute romantisch anmutende Zeesbootflotte fischte auf dem Bodden, und benachbarte Boddendörfer waren berühmt durch ihre Fahrensleute.
Fischer gingen mit kleinen Booten in Zweimann – Gemeinschaften vor Langen-damm auf Fang.
In Langendamm betrieben
etwa ein Dutzend kleiner Landwirte und Büdner auf kargem Boden mit einfachen Mitteln die Landwirtschaft. Sie gaben im Dorf vielen Helfern Arbeit und Brot. Seit dem Kriegsende wurde die ganze Heide mit Ausnahmen landwirtschaftlich nicht mehr genutzt, und die damaligen Handtuchfelder sind durch den Ödlandbewuchs verwischt.
Zwischen 1949 und 1989 wurde ein Teil des für die Landwirtschaft uninteressant gewordenen Landes in schöne Gärten verwandelt, und am westlichen Ende des Dorfes entstand ein Wochenendhäuserkomplex. Nach der Wiedervereinigung wurden schon viele Häuser modernisiert, und am idyllischen Waldrand erfolgte der Bau eines Bootels für wassersportinteressierte Urlauber. Dennoch geht das Leben hier scheinbar still seinen Gang. Wer aber am ersten Sonntag nach Pfingsten eine Spazierfahrt oder Wanderung nach Langendamm unternimmt, wird dort auf ein reges, festliches Treiben mit zünftiger Blasmusik treffen. Jedes Jahr, und das seit 1947 in ununterbrochener Folge, feiert man hier das traditionelle Tonnenabschlagen. Umgeben von zahlreichen Dörfern, die ihre Tonnenfeste zu Pferd feiern, trägt dieser Tonnenbund allein auf weiter Flur das Tonnenabschlagen zu Fuß aus. Außer einem Experiment zu Rad Anfang der 50er Jahre hat es vermutlich nie eine andere Form gegeben. Die Pferde der kleinen Landwirte und Büdner dienten früher ausschließlich der Land- und Forstwirtschaft.

Besiedlung und Wendenzeit
Im Langendammer Sandboden fand man Spuren der Jäger in Form von bearbeiteten Steinen. Diese Bodenfunde legen Zeugnis ab vom Leben der Menschen hier vor fünf- bis sechstausend Jahren.In den ersten Jahrhunderten nach Christus wurde dieses Küstenland von den Germanen bewohnt. Mit der beginnenden Völkerwanderung verließen sie ihre Wohnplätze an der Ostseeküste und zogen nach Süden. Das mecklenburgische und vorpommersche Land verödete und wurde menschenleer. Im siebenten Jahrhundert nach Christus rückten Slawen vom Stamm der Wenden in das verlassene Land vor. Die Wenden, die Ostmecklenburg und Pommern bis an die Oder bewohnten, waren vom Stamm der Luitizen, auch Wilzen genannt. Die Pomoren, die dem Land Pommern den Namen gaben, wohnten östlich der Oder.
Die Wenden hatten seit etwa 800 nach Christus schwere kämpfe mit deutschen und dänischen Eroberern zu bestehen und waren auch in den Stämmen untereinander oft verfeindet. 1168 wurde das Hauptheiligtum der Wenden, die Tempelburg Arkona auf Rügen, zerstört. Damit war die Unabhängigkeit der Westslawen von den Deutschen und Dänen beseitigt worden. Der wendische Fürst Jaromar hatte der Christianisierung zugestimmt und behielt sein Fürstentum, das er sogar um gegenüberliegendes Festland erweitern konnte. Der slawische Fürst begünstigte die Einwanderung deutscher Siedler aus dem Westen, womit die Kolonisation begann. Um 1200 nach Christus kamen Bauern und Handwerker ins Land, vermutlich aus Niedersachsen, Holstein, Westfalen, Friesland und aus den Niederlanden. Ein halbes Jahrtausend verging, bis Menschen ihre ersten Katen zwischen Bodden und Wald ins Heideland setzten.
In einem von einem Brand verschont gebliebenen Taufbuch der Saaler Kirchgemeinde, welches 1798 beginnt, heißt der Ort, an dem die frühesten Einwohner lebten, Saaler Heyde. Die Familienväter wurden meistens als „Einlieger in der Saaler Heyde“ bezeichnet.
Im Jahre 1806 wurde bei drei Taufeintragungen eine neue Bezeichnung für den Wohnort verwendet. Unter dem Namen der Väter wurde vermerkt „Einwohner in den Langendam“. Bei allen anderen Taufeintragungen steht bis 1810 geschrieben „Saaler Heyde“. Danach setzte sich „in den Langendam“ durch und blieb bis Ende des Buches im Jahre 1826 in dieser Weise unverändert.
In dem nach dem Pfarramtsbrand angelegten neuen Taufbuch, welches 1836 beginnt, heißt der Ort wie heute Langendamm. Das früheste Geburtsjahr eines gebürtigen Langendammers ist 1758 oder 1759.